Das Projekt „NS-Medizinverbrechen in Erlangen zwischen Verdrängung und Aufarbeitung“ entstand 2020/21 als interdisziplinäres Seminar der FAU (Lehrstuhl für Geschichte der Medizin, Lehrstuhl für Neueste Geschichte). Im Mittelpunkt stand die sogenannte „zweite Geschichte“ der NS-Patientenmorde an der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen: also nicht nur die Taten selbst, sondern die Frage, wie sie nach 1945 verdrängt, aufgearbeitet oder juristisch verfolgt wurden.
Die Studierenden entwickelten Formate, die Forschung und Öffentlichkeit verbinden. Kernprodukte waren ein Podcast mit mehreren Episoden, der Täterbiographien, Opfergeschichten, juristische Verfahren und erinnerungskulturelle Debatten beleuchtet, sowie ein Audiowalk durch die Erlanger Innenstadt. Unter dem Titel „Patientenmord hinter Sandsteinmauern“ führt er zu Orten, die mit der Geschichte verbunden sind, und macht Spuren von Verdrängung und Erinnerung im Stadtraum erfahrbar.
Eine einfache Integration ins Uni-CMS wäre nicht möglich gewesen, da sowohl Podcast als auch Audiowalk langfristig, unabhängig und multimedial verfügbar bleiben sollten. Deshalb wurde eine eigenständige Website umgesetzt, die alle Formate bündelt und dauerhaft sichert.
Die Wirkung des Projekts war deutlich: Presseberichte, städtische Veranstaltungen und die Einbindung in universitäre wie lokale Initiativen sorgten für Reichweite. Das Projekt trug zur Debatte über den Abriss historischer Gebäude und die Gestaltung eines Gedenkortes bei. Es zeigte die personellen Kontinuitäten im medizinischen Personal nach 1945, dokumentierte das lange Schweigen in Erlangen und machte deutlich, wie lokale Erinnerungskultur bis heute verhandelt wird.
Mit Podcast, Audiowalk und begleitender Dokumentation bietet das Projekt nicht nur wissenschaftliche Ergebnisse, sondern auch für die Öffentlichkeit zugängliche Formen der Auseinandersetzung mit einem schwierigen Kapitel deutscher Geschichte. Damit verbindet es Forschung, Lehre und Erinnerungskultur auf nachhaltige Weise.







