„Wieder vereint?!“ war ein Erinnerungs- und Beteiligungsprojekt, das 2020 in Hamburg zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit umgesetzt wurde. Getragen von der Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg und der Agentur anders & wissen, mit Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung und weiteren Partnern, verfolgte es das Ziel, die Wiedervereinigung nicht als abgeschlossene historische Episode darzustellen, sondern als fortdauernden gesellschaftlichen Prozess, dessen Wirkungen bis heute spürbar sind. Besonders im Fokus standen nicht nur politische und wirtschaftliche Entwicklungen, sondern die sozialen, kulturellen und alltäglichen Erfahrungen der Menschen in Hamburg. Dafür brauchte es eine eigenständige Website, die alle Formate und Mitmachmöglichkeiten sichtbar machen und bündeln konnte.
Die Seite wurde zum zentralen Knotenpunkt für Öffentlichkeitsarbeit und Partizipation. Sie dokumentierte die digitale Erinnerungslinie, die unter dem Titel „Eure Geschichten zur Einheit“ aufgebaut wurde. Bürgerinnen und Bürger konnten eigene Beiträge einreichen, die sowohl online als auch auf einer Social-Media-Wall unter dem Hashtag #hamburgvereint sichtbar wurden, etwa in der Zentralbibliothek Hamburg. Ergänzt wurde dieses Element durch ein Feriencamp für Jugendliche, die sich kreativ mit der Thematik auseinandersetzten und mit digitalen Tools eigene Spielideen entwickelten, sowie durch einen GameJam, bei dem Entwicklerinnen, Kulturschaffende und Historikerinnen gemeinsam Konzepte für Spiele zur Wiedervereinigung entwickelten. Zudem hielt der Historiker Nico Nolden einen Vortrag darüber, wie Computerspiele die deutsche Teilung und Wiedervereinigung darstellen und welche Perspektiven dabei häufig fehlen.
Das Projekt setzte auf Partizipation, Interdisziplinarität und die Verbindung von historischer Expertise mit neuen Medien. Es machte die Wiedervereinigung aus Hamburger Perspektive erfahrbar und eröffnete innovative Zugänge über Social Media und Games. Auch wenn belastbare Kennzahlen zur Reichweite nicht veröffentlicht wurden, hatte „Wieder vereint?!“ eine klare lokale Wirkung und gilt als Beispiel dafür, wie Erinnerungskultur mit digitalen und partizipativen Methoden neue Zielgruppen erreicht.









